Der 120 Millionen Dollar Betrug – Wie ein Unternehmer mit einer Saftpresse Google, Kobe Bryant und zahlreiche Online-Nutzer hinters Licht führte - Inateck Blog

Der 120 Millionen Dollar Betrug – Wie ein Unternehmer mit einer Saftpresse Google, Kobe Bryant und zahlreiche Online-Nutzer hinters Licht führte

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 Ist eine Saftpresse wirklich soviel Wert wie ein iPhone?

Vor nicht allzu langer Zeit hat Doug Evans das gesamte Silicon Valley in Verlegenheit und viele Online-Enthusiasten in Aufruhr gebracht und das alles mit einer Saftpresse.

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Ja, das ist sie, die Juicero-Saftpresse. Sieht auf den ersten Blick doch wie eine technologisch hochentwickelt Presse aus, oder? Nicht nur das Äußere wirkt professionell, auch die Technik im Inneren ist beeindruckend. 400 einzelne Komponenten, Mikroprozessoren, Funkchips, Antennen und sogar ein Scanner.

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Der Erfinder dieses „Meisterwerks“ investierte mehr als 1200 Tage in die Technik dieser Saftpresse und produziert insgesamt 120 Prototypen.

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Auch in das Logo steckte er angeblich viel Geld und wurde von einer professionellen Design-Gruppe gestaltet. Das hat schon Stil.

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Ein weiteres überzeugendes Argument: Diese Saftpresse muss nicht gereinigt werden und das ein Leben lang.

Eine Saftpresse auf diesem Niveau und auch noch so stylisch, das ist schon krass, oder?

Der „Entwickler“ Doug Evans behauptet auch, dass er sein Unternehmen „unter größten Opfern und Anstrengungen“ in Veganerkreisen selbst etabliert hat und somit bereits relativ bekannt ist.
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Vor zehn Jahren gründete und leitete er ein Unternehmen für vegane Gemüsesäfte in Dosen, für das er von vielen Hollywood-Größen Lob und Anerkennung erntete. Somit vertrauten die Menschen auch sehr schnell dieser neuen Kreation des innovativen Self-Made-Unternehmers.

So konnte der schlaue Evans auch den vorherigen Chef von Coca Cola, Jeffrey Dunn, als CEO für sein Unternehmen gewinnen.
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Auch Oprah Winfrey, die allseits beliebte und bekannte TV-Moderatorin, wurde eingeladen, um die Saftpresse vorzustellen.

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Auf vielen Technikmessen war die Saftpresse zu finden – sie wurde gar als eine der populärsten Innovationen 2016 gefeiert

Dieses „High-Tech“-Produkt war in aller Munde und weckte Hoffnung auf mehr. Große Investoren und Unternehmen aus dem Silicon Valley wurden auf das Produkt aufmerksam. Die renommierteste Risiko-Gruppe im Silicon Valley, KPCB, Alphabet als Mutterkonzern von Google und gar der NBA-Star Kobe Bryant stritten sich um Investitionsanteile. Am Ende konnte Evans um die 120 Millionen Dollar an Risikokapital einheimsen.

Ein Produkt, das in aller Munde ist, von Berühmtheiten unterstützt wird und mit mehr als genügend Startkapital ausgestattet ist. Was ist wohl das Resultat? Natürlich begann die Serienproduktion, um so schnell wie möglich den Markt zu erobern. Doch kaum war das Produkt im Verkauf, verhinderte ein wichtiger Faktor, dass sich sogleich unzählige Veganer und „hippe“ Menschen auf die Saftpresse stürzten: Der Preis. 699 Dollar! Soviel wie ein iPhone!

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Ein richtiger Weltraumpreis für ein „Weltraumprodukt“? Ist die Presse wirklich so gut? Ist sie den Preis wirklich wert? Doch keine Sorge, just in dieser Zwickmühle sprangen Evans auf Einladungen hin plötzlich viele renommierte Wissenschaftler und Technikprofis zur Seite. Sie priesen über das gesamte Netz die technische Komplexität und die haptisch-ergonomischen Vorzüge der Presse. Kurz und bündig gab es somit nur ein Hauptthema: Was machte die Saftpresse so teuer?

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Im Vergleich zu den gängigen Billigmaschinen muss man die Früchte nicht mehr unter Anstrengungen kleinschneiden und einzeln einfüllen. Einfach einen Beutel mit Frucht- oder Gemüseinhalt einsetzen, um den Inhalt zu einem frischen und sanften Saftgetränk auspressen zu lassen, fertig. Mit dieser Methode entfällt die aufwendige Reinigung der Maschine.

Noch beeindruckender ist der Pressdruck der Saftpresse, der erstaunliche vier Tonnen erreicht. Das ist vergleichbar mit der Kraft, die man zum Anheben von zwei Tesla benötigt! Auch die Auswahl an Saftvarianten in Tüten war von Anfang an mehr als ausreichend und in mehreren Dutzend nahrhaften Variationen bzw. Mischungen verfügbar. Unmöglich, nicht die passende Mischung zu finden.

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Auch die Präsentation auf der offiziellen Seite war mehr als vielversprechend:
„Wenn Sie kalten, frischgepressten Saft trinken, der aus den besten Pflanzen im idealen Reifezustand erzeugt wurde, werden Sie den perfekten Geschmack schlagartig wie frische Lebensenergie und tief in Ihren Neuronen spüren. Ein energiespendendes und belebendes Gefühl. Das ist der Geschmack von gesundem Leben…“

„Trinken Sie 4,5 Milliarden Jahre Perfektion; Online vorbestellen“

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Ist das nicht perfekt? Ist das nicht beeindruckend?

Diese Sache ist bis hierhin gut gegangen. Doch ausgerechnet durch zwei gelangweilte Privatnutzer erfuhr die Geschichte eine mehr als seltsame Wendung. Sie haben sich einfach die Saftbeutel gekauft, ein wenig auf diese gedrückt, und der Saft kam direkt herausgeschossen. Wozu braucht man da angeblich vier Tonnen? Außerdem ist das Ergebnis exakt das Gleiche wie das der Maschinenpressung. Per Hand konnte 220 Gramm Saft extrahiert werden. Die Maschine schaffte im Vergleich auch nur 230 Gramm.

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Das ist dann schon ein wenig peinlich. Ich habe gerade 699 Dollar für eine „Weltraumsaftpresse“ ausgegeben, doch der Saft kann auch per Hand herausgepresst werden!? Wozu ist die Presse dann überhaupt gut? Einfach die Tüten kaufen und fertig…
Das demonstriert auch die vorausschauende Schlauheit und Schlitzohrigkeit von Evans, der sehr früh bereits stolz festgelegt hat: Nur die Käufer und Nutzer der Juicera-Saftpresse dürfen auch exklusiv die Safttüten erwerben.

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Fazit: In ganz Silicon Valley brodelte es, die Investoren standen dumm da, und gerade die Nutzer, die viel Geld in die Anschaffung investiert hatten, waren extrem wütend und aufgebracht.

wuetender-mannerdem würde man per Hand nur alles chaotisch verteilen. Außerdem wurde vom Unternehmen mehrfach betont, dass die Presse aus 400 Einzelteilen besteht und technisch hochentwickelt wäre, ein großes Augenmerk auf die Qualität der Safttüten gelegt werde, indem diese mit Matrixcodes versehen wurden, um einen Konsum nach Ablauf des Verfallsdatums zu vermeiden.

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Wenn man nichts sagt, geht es ja noch. Doch solcherlei Bemerkungen sind nur ein weiterer Schlag ins Gesicht der Nutzer. Auf den Tüten ist doch bereits ein Verfallsdatum aufgedruckt. Wieso sollte man nun noch extra einen Matrixcode benötigen? Der große Betrug ist aufgeflogen, trotzdem kam kein Mucks von Evans. Er war nicht zu erreichen, traute sich nicht an die Öffentlichkeit. Nur der Preis der „Weltraumpresse“ wurde kommentarlos und unangekündigt auf 399 Dollar herabgesetzt.

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Das Image eines hart arbeitenden und ehrlichen Unternehmers für vegane Produkte, durch Lügen und Betrug komplett zerstört: Evans Wunschtraum von Einfluss und Reichtum hat sich ausgeträumt.

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Evans wurde dadurch zur großen Witzfigur für das Silicon Valley.

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